Willkommen beim taxcellence club

Der taxcellence club bietet Entscheidern dynamischer Unternehmen eine exklusive Plattform, um regelmäßig aktuelle und zukunftsorientierte steuerliche Fragestellungen zu erörtern.

8. taxcellence club am 9. November 2020: „Optionsmodell für Personengesellschaften.“

70 Teilnehmer erlebten im Rahmen eines Online-Kompaktseminars eine intensive und gehaltvolle Diskussion über das Thema „Optionsmodell für Personengesellschaften“. Für unser „digitales“ Podium konnten wir hochkarätige Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Rechtsprechung und Finanzverwaltung gewinnen:

  • Dr. Daniela Kelm (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.)
  • Marita Rindermann (Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.)
  • Tim Hannig (Finanzministerium Nordrhein-Westfalen)
  • Thomas Dierichs (Diehl Gruppe)
  • Prof. Dr. Guido Förster (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Nach der Begrüßung durch Moderator Prof. Dr. Joachim Schiffers (Warth & Klein Grant Thornton) führten Frau Dr. Daniela Kelm und Frau Marita Rindermann in einem Kurzvortrag in das Thema ein und stellten das IDW-Modell zum Optionsmodell vor. Nach den Koalitionsbeschlüssen von Anfang Juni 2020 soll zur „Modernisierung des Körperschaftssteuerrechts“ das sogenannte Optionsmodell für Personengesellschaften umgesetzt werden. Diese schon länger diskutierte Maßnahme soll es Personengesellschaften ermöglichen, zur Körperschaftsteuer zu optieren und damit ohne Rechtsformwechsel eine der Kapitalgesellschaft vergleichbare steuerliche Belastung zu erreichen. Ein wesentliches Ziel des Modells ist die Schaffung eines modernen binnenmarkttauglichen Steuerrechts für Unternehmen. Eine Diskussion, die zuletzt vor allem aufgrund der Steuersenkungen für Unternehmen in den USA wieder Fahrt aufgenommen hat. Wesentlicher Treiber dieses Reformvorschlags ist die Weiterentwicklung des Modells durch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW). Ein entsprechendes Positionspapier des IDW enthält konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung und Umsetzung.

Konsequenz einer Option soll sein, dass Gewinne der Personengesellschaft wie bei der Kapitalgesellschaft mit der Körperschaftsteuer von derzeit 15% und Entnahmen als Ausschüttungen mit der Abgeltungsteuer besteuert werden. Damit wäre eine optierende Personengesellschaft allein für ertragsteuerliche Zwecke einer Kapitalgesellschaft gleichgestellt, ohne dass die Rechtsform gesellschaftsrechtlich umgewandelt werden muss. Die Option soll lediglich steuerlich wie ein fiktiver Formwechsel behandelt werden. Ob es zu einer Einführung eines derartigen Optionsmodells kommt und wie es ggf. ausgestaltet werden wird, ist derzeit offen.

Diskussion aus verschiedenen Blickwinkeln

Nach der Einführung beleuchteten die Experten aus den einzelnen Blickwinkeln die Details der geplanten Neuregelung – von Zielsetzung und Anwendungsbereich über das Verhältnis zum Gesellschaftsrecht bis hin zum internationalen Steuerrecht. Zwei Highlights aus der Diskussion:

  • Mögliche Friktionen des Modells zeigten sich insbesondere bei der Behandlung des Sonderbetriebsvermögens. Hier wurden verschiedene umsetzbare Lösungsvorschläge erörtert, wie eine Aufdeckung der stillen Reserven vermieden werden kann. Weitere in diesem Kontext diskutierte Aspekte betrafen die Zuordnung von Kapitalkonten und die Frage der Behandlung von Ergänzungsbilanzen.
  • Als weitere für die Praxis relevante Frage wurde die Regelung der Gewinnverwendung erörtert, da das Prinzip der Vollausschüttung bei Personengesellschaften auch weiterhin gilt. Hier wurde die Notwendigkeit gesehen, im Gesellschaftsvertrag eine an die Rechtsform der GmbH angelehnte Gewinnverteilung zu regeln.

Fazit

In den abschließenden Kurzstatements der Experten herrschte weitgehend Einigkeit: Die geplante Neuregelung ist zwar mit zahlreichen ungelösten Fragen behaftet, wird aber gleichwohl als attraktive Möglichkeit der Modernisierung der Unternehmensbesteuerung angesehen. Thomas Dierichs: „Das Optionsmodell bietet die große Chance, die jeweiligen Vorteile aus den „Besteuerungswelten“ der Personengesellschaft und der Kapitalgesellschaft zu vereinen. Diese Möglichkeit sollte jetzt verwirklicht werden.“ Auch aus Sicht von Prof. Guido Förster ist das Optionsmodell ein gutes Angebot für eine rechtsformneutrale Besteuerung, allerdings müssen aus seiner Sicht Friktionen wie die Behandlung des Sonderbetriebsvermögens unbedingt gelöst werden. „Angesichts der Bindungsfrist von sieben Jahren ist es wichtig, ein valides Konzept für die Option zu entwickeln“ gab Tim Hannig zu bedenken: „Zumal mit Einführung der Regelung keine Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen vorliegen werden, an der sich die Steuerpflichtigen orientieren können.

Schlusswort Prof. Dr. Joachim Schiffers: „Ich habe mich sehr über die überaus positive Resonanz auf das digitale Format gefreut. Wir haben heute die Diskussion zum Optionsmodell für Personengesellschaften weitergetragen. Mit großer Spannung bleibt nun abzuwarten, ob dieses in ein Gesetzgebungsverfahren eingebracht wird und dann eine Mehrheit findet.“

Spenden

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